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Arno Pielenz
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"... mein Leben, das allerqualvollste, das ein Mensch je geführt hat." So schrieb Heinrich von Kleist an eine seinem Herzen nahe stehende Verwandte wenige Stunden, bevor er sich mit seiner Todesgefährtin am Wannsee erschoss.

Erholung auf der Peißnitzinsel

Erholung auf der Peißnitzinsel

Bettina Bartaune

Eine beliebte der Saale

Seit 1540 gehört die Peißnitz zur Stadt Halle. Die Flussinsel zwischen Stromsaale und Wilder Saale umfasst eine Fläche von ca. 46 Hektar und ist einer der beliebtesten Erholungsorte mitten in der Stadt. Bei schönem Wetter kann man Sonnenhungrige auf den Wiesen liegen sehen, morgens drehen die Jogger ihre Kreise und Hundebesitzer führen ihre Lieblinge aus, am Nachmittag schallen die lauten Rufe vom Universitätssportplatz oder von den Plätzen des Halleschen Tennisklubs herüber. Keine Frage, die Hallenser lieben das „grüne Herz" der Stadt.

Die Ufer der Saale waren schon seit jeher besiedelt. Erste Erwähnung fand die Peißnitzinsel bereits im Jahr 600, wo sie von slawischen Siedlern als Wehranlage genutzt wurde. Im Mittelalter wurde sie vom Kloster Neuwerk bewirtschaftet, später vom städtischen Gut Gimritz, mit dem gemeinsam die Stadtväter das Areal erworben hatten. Auf den wasserreichen Böden betrieb man Landwirtschaft. 1821 übernahm Amtmann Ludwig Barthels das Gelände von der Stadt Halle und ließ es als Park herrichten. Im Jahr 1888 kaufte die Stadt den Park wieder zurück und gestaltete auch die letzten landwirtschaftlich genutzten Flächen als Naherholungsgebiet für die Einwohner um. 

Peißnitzbrücke
Peißnitzbrücke

Wesentlich verbesserte sich die Anbindung der Peißnitz an die Stadt durch den Bau der Peißnitzbrücke im Jahr 1899. Nun konnte man die Insel auch von der Ziegelwiese her problemlos erreichen. Bis dahin war man über die Stromsaale nur mit einer Seilfähre gekommen oder musste den großen Umweg über die Mansfelder Straße oder die Gimritzer Gutsbrücke auf der Westseite der Insel in Kauf nehmen. Aus Richtung Halle-Neustadt und über die Wilde Saale kann man die Insel heute zudem über die Schwanenbrücke erreichen.

Von der Ziegelwiese aus gelangt man über die Brücke zum Peißnitzhaus, das in den letzten 100 Jahren auf eine wechselvolle Geschichte zurückblickt. Ursprünglich befand sich an dieser Stelle der „Jagdhof" für den Aufseher der Parkanlage. 1883 errichtete die Stadt an gleicher Stelle das Peißnitzhaus, das später noch um eine Kolonnade und einige Pavillons erweitert wurde. Bis 1923 blieb es eine beliebte Ausflugsgaststätte mit verschiedenen Pächtern. Ab 1934 wurden einige Umbauten vorgenommen, es entstanden Schlaf-, Schulungs- und Veranstaltungsräume für die Hitlerjugend. Nach dem Krieg zog in das unversehrt gebliebene Gebäude kurzzeitig eine Internatsschule, für ein paar Jahre wurde es auch ein Kulturhaus für die sowjetischen Streitkräfte. Ab 1952 beherbergte das Peißnitzhaus dann das Pionierhaus. Viele Kinder aus Halle haben hier ihre Freizeit verbracht und konnten die Angebote aus den Bereichen Naturwissenschaft, Technik, Sport oder Kunst nutzen. Die zum Haus gehörenden Pionierschiffe bildeten junge Matrosen aus und boten Ferienfahrten an. Nach der Wende war das Haus lange dem Verfall preisgegeben, lange suchte die Stadt einen Käufer. Seit 2010 sitzt im Peißnitzhaus ein gemeinnütziger Verein, der sich für den Erhalt und die Wiederbelebung des Gebäudes engagiert. Heute kann man wieder das angeschlossene Gartenlokal nutzen. Hier sitzt man bei kleinen Speisen und Getränke im Schatten der alten Bäume. Im Sommer finden Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel statt. Gleich hinter dem Objekt lockt ein Abenteuerspielplatz die Kleinen. 

Peißnitzhaus im Jahr 1894
Peißnitzhaus im Jahr 1894

Ein paar Schritte vom Peißnitzhaus stößt man auf den Bahnhof der Parkeisenbahn, die sich großer Beliebtheit erfreut. Die kleine Schmalspurbahn gibt es seit 1960. Sie wird seither ehrenamtlich von Kindern und Jugendlichen betrieben, die hier als Zugführer, Fahrdienstleiter, Schaffner, Fahrkartenverkäufer oder Schrankenwärter ihren Dienst zum Teil noch nach historischen Vorschriften versehen. In einer fast 2 Kilometer langen Schleife kann man ganz gemütlich die Peißnitzinsel umrunden. Auch für den Erhalt der Parkeisenbahn ist ein Förderverein aktiv.

Das Planetarium auf der Wiese hinter dem Peißnitzhaus hatte seit 1978 den Hallensern den Sternenhimmel erklärt. Jedoch wurde das Gelände immer wieder von Hochwassern heimgesucht. Das stärkste Hochwasser der letzten Jahre fand 2013 statt. Alle Einrichtungen auf der Peißnitz wurden dabei enorm in Mittleidenschaft gezogen. Am schwersten hatte es aber wohl das Planetarium erwischt, das schwere Schäden am Gebäude und auch am Projektor aufwies. Die Stadt Halle beschloss daraufhin den Neubau eines Planetariums an anderer Stelle. Um den Abriss des kleinen, in Schalenbauweise errichteten Rundbaus gab es große Kontroversen, seit Juli 2015 ist er aber dennoch beschlossene Sache.

Nordspitze der Peißnitzinsel - Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0
Nordspitze der Peißnitzinsel - Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0

Die sich daran anschließenden 12 Hektar Auenwald an der Nordspitze der Insel stehen unter Naturschutz. Man findet hier alte Ulmen, Ahornbäume, Eichen oder Linden, in denen Singvögel und Fledermäuse zu Hause sind. Die Saaleufer sind hier ein Refugium für Wasservögel und Amphibien. Insgesamt gehört die Peißnitz zum Landschaftsschutzgebiet Saaletal, das sich entlang der Saale und der Weißen Elster erstreckt.

Im Zentrum der Insel liegt die Freilichtbühne Peißnitz. Auf der hohen Steinbühne finden im Sommer zahlreiche Veranstaltungen statt, von Klassik über Rock bis hin zu Freilichtkino. Zu solchen Gelegenheiten kommen die Hallenser mit ihren Picknickkörben und Grills und bevölkern die Wiesen der Umgebung. Weithin sichtbar ist die an einen Zirkus erinnernde Dachkonstruktion, die auch bei schlechtem Wetter Künstler und Technik schützt. Zu DDR-Zeiten hatte es ganz in der Nähe der Bühne ca. 200 Meter lange und 10 Meter breite Messehallen gegeben. Diese wurden im Jahr 2003 abgerissen. Die Natur soll sich auf der Brachfläche selbst regenerieren, sodass hier wieder ein Auenwald entsteht, der auch im Hochwasserschutz eine wichtige Funktion übernimmt.

Spielplatz auf der Insel
Spielplatz auf der Insel

Ganz im Süden der Insel findet man das ehemalige Gut Gimritz. Es hatte in der Reformationszeit die Bewirtschaftung der Peißnitz für die Stadt übernommen und war bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in städtischem Eigentum geblieben. Ein gepflegter Park aus dem 19. Jahrhundert mit altem Baumbestand lädt Spaziergänger zu einer Runde ein. Am Rande der Parkanlage befinden sich heute eine exklusive Wohnanlage, ein Pflegeheim und ein Kindergarten. Im Gartengelände hinter dem alten Gutshof wurde ein Therapiegarten mit einem Sinnespfad eingerichtet. Über die Schafbrücke kann man die Peißnitz in Richtung Sandanger wieder verlassen.

Jedes Jahr am letzten Augustwochenende findet auf der Peißnitz das Laternenfest statt. Wohl jeder alteingesessene Hallenser hat als Kind dieses Fest mit seiner eigenen Laterne besucht. Alte Bräuche wie das Fischerstechen, bei dem sich Hallorenbrüder gegenseitig mit langen Stangen von Booten ins Wasser stoßen, werden jährlich neu belebt. Höhepunkt ist das farbenfrohe Bootskorso auf der Saale. Die geschmückten Boote werden von hunderten schwimmenden Lichtern begleitet und romantisch ausgeleuchtet. Zum Abschluss findet traditionell ein Höhenfeuerwerk statt. Mittlerweile ist aus dem Laternenfest das größte Volksfest Mitteldeutschlands geworden. 

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Bildquellen:

Vorschaubild: Blick von der Peißnitz in Halle (Saale). Foto: Ralf Lotys, Wikipedia, CC BY 2.5  

Peißnitzbrücke Milenavaleska, Wikipedia, CC0. gemeinfrei 

Peißnitzhaus 1894, gemeinfrei, Emil Römmler (1842 - 1941)

Nordspitze der Peißnitzinsel- Foto: Jwaller, Wikipedia, CC BY-SA 3.0 

Spielplatz auf der InselSicherlich, Wikipedia, CC BY-SA 3.0

 

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